Dolder. Warum nicht drei Sterne?

Arbeitsessen in Zürich? Im Dolder, wo sonst. Heiko Nieder ist ja schliesslich nicht nur ein ausgezeichneter Koch, sondern auch ein grossartiger Gastgeber.

Garnelen, Calamari und eine wunderbare Harmonie (Foto: Wolfgang Fassbender)

Garnelen, Calamari und eine wunderbare Harmonie (Foto: Wolfgang Fassbender)

Apropos: An dieser Stelle erlaube ich mir eine kleine Kritik, die allerdings mit dem Service zu tun hat. Der immer herzliche Sommelier Didier Clauss ist diesmal leider nur kurz bei uns am Tisch, und die Frage nach dem Dessertweinwunsch wird irgendwann von einem Chef de Rang eher beiläufig gestellt. Die angebotenen Alternativen wiederum sind nicht herausragend, dem Gros Manseng merkt man einen Hauch flüchtiger Säure an. Bitte mehr Verve in diesem Bereich – sowohl bei der Beratung als auch bei der tatsächlichen Güte.

Mangelnde Verve allerdings ist das Letzte, was ich Heiko Nieders Küche vorwerfen könnte. Ich liess mich überraschen und begeistern, ohne mitzuschreiben. War ja ein Arbeits- und kein Testessen. Nur so viel: Die Mehrheit der servierten Gänge hätte ich blind eher mit drei Sternen bewertet als mit zweien. Erst recht die vielen Amuse-bouches, die sehr präzise gearbeitet waren, erst recht die grandiosen Mignardises.

Dessert mit Waldmeister (Foto: Wolfgang Fassbender)

Dessert mit Waldmeister (Foto: Wolfgang Fassbender)

Vor allem scheint sich die Küche fortzuentwickeln. Überflüssiges wird – mit Ausnahme einiger Kräutlein, über die man diskutieren kann – einfach weggelassen. Und starke Geschmacksnoten bekommen ihre Berechtigung, wie das Dessert mit Waldmeister zeigt: Es weist eine feine, unüberschmeckbare Bitternote und fasziniert gerade deshalb.

Ich plädiere deshalb für den dritten Stern fürs The Restaurant im Dolder, für originellere Süssweine zum Dessert und für mehr Präsenz des Sommeliers am Tisch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.